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Geschichtliches

 

Geschichte / Chronik Mühlen in Taufers - Kartoffelanbau

Mühlen, der erste Anbauort für Kartoffeln im Pustertal
Salome überreicht Herodias das Haupt des Täufers
 

Josef Valentin Niederweger (1840/50, zitiert nach Heinrich Irschara 1970) charakterisiert den damaligen Ackerbau wie folgt: „Das ganze Tauferer Hauptthal ist sehr fruchtbar; alle Getreidearten werden gebaut, Waitzen, Rocken, Gerste und Haber; doch nicht in so grosser Menge, dass ein beträchtlicher Handel damit geführet werden könnte.

In den hohen Tälern als Rain, Lappach und Prettau geräth der Waitzen nicht, doch der Rocken, die Gerste und der Haber, von welchen den Landwirthen viel verkaufet wird. Etwas Erbesen, Bohnen und Magen gibt es allenthalben, aber wenig Tyrkisch Korn, doch mehrer in Uttenheim und Gais, wo auch Hirse und Plenten gebauet wird.

Erdäpfel sind schon seit längerer Zeit an allen Orten gezogen worden. Mühlen in Taufers war eines der ersten Orte des Thales, in welchen mit Anpflanzung dieser nützlichen Frucht der Anfang gemacht worden. Mit Rüben, Kopf- und Erdkohl sind ganze Felder besetzt und geben Menschen und Vieh eine reichliche Nahrung. Hanf wird wenig, aber Flachs häufig gebauet, und auch ausgeführet. …

Mit Ausnahme des Mais oder Tyrken werden alle Gattungen des Getreides, Hilsenfrüchte, Flachs und Erdäpfel hinlänglich zum Hausgebrauche erzeugt, doch nicht genug für die Knappschaft, für welche eine beträchtliche Quantität Getreides von aussen eingeführet werden muss.“

Irschara (1970): „Heute wird nirgends mehr Gerstenmehl als Brotmehl verwendet. Früher waren Gerstengerichte weit verbreitet, besonders in Rain und in Prettau, weil dort kein Weizen oder nur sehr wenig Roggen gedieh. Auf manchen Höfen röstet man gegenwärtig kleinere oder grössere Gerstenmengen und mischt sie pulverisiert unter den Feigenkaffee. Im Übrigen dient die Gerste jetzt vorwiegend als Futter. …

Nach Niederweger wurde in Prettau das Brot aus „Haberkleyen“ zubereitet; es war scheinbar so schlecht, dass es nur mit Milch und Molke genossen werden konnte. Heute wird Hafer in ganz seltenen Fällen dem Brotgetreide beigemengt. Die „Haferflocken“ kommen jedenfalls auch nicht mehr auf den Tisch.“


Irschara (1970): „Der Flachs-, Bohnen-, Erbsen-, Mohn-, Kohl- und Rübenanbau.

Der Flachsanbau ist, wenn man von zwei kaum gartengrossen Flecken absieht fast zur Gänze verschwunden. Im Mühlwaldtal hatte er sich bis in die Mitte der Sechzigerjahre auf einigen Höfen halten können. Die vielen, heute noch gut erhaltenen „Brechllöcher“ erinnern an seine ehemalige Bedeutung.

In Rain wurden noch zu Beginn des Ersten Weltkrieges 4 ha Flachs gezogen (Ackerschätzung vom 15.5.1915, aufgezeichnet in der Pfarrchronik). Der Agrarkataster führt für 1929 eine Gesamtfläche von 7 Hektar an, die sich zu je einem Hektar auf die Gemeinden Gais und Sand in Taufers, zu zwei Hektar auf die Gemeinde Ahrntal und zu drei Hektar auf die Gemeinde Mühlwald verteilt. Obwohl das „rupfene“ Tuch die Fabriksware an Haltbarkeit weit übertrifft, wäre seine Herstellung wegen des grossen Arbeitsaufwandes nicht mehr gerechtfertigt.

Bohnen, Erbsen und Mohn werden zum Eigengebrauch angebaut. Die farbenfrohen, im Durchschnitt ungefähr 100 m2 grossen Mohnflächen sind schon von weitem als solche erkennbar; sie sind von einem leichten Holz-, Draht- oder Seilzäunchen umgeben, das ein Knicken der hoch stengeligen Pflanzen durch den Wind verhindern soll. Sie liegen deshalb auch häufig an besonders windgeschützten und strahlungsbegünstigten Stellen. Der Mohn dient als „Krapfenfülle“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Mohnanbau zeitweilig bei hohen Strafen verboten, weil begründeter Verdacht auf Rauschgifterzeugung bestand.

Die handtuchgrossen Erbsen- und Bohnenflecken liefern die Suppeneinlagen. Die Nudel hat sich nicht überall durchgesetzt. Weiter verbreitet als Bohnen, Erbsen und Mohn sind Weisskohl und die Krautrüben. Auf dem Bärentaler Murschuttkegel sind zehn und im Tauferer Boden sechs selbständige Ackerparzellen mit Weisskohl bepflanzt. Kohl und Rüben dienen der Selbstversorgung, werden jedoch in der Menge gebaut, dass auch die örtliche Nachfrage gedeckt werden kann. In Gais werden grössere Mengen in die Gegend von Bruneck verkauft.“


Der Kartoffelbau

Die mit Abstand wichtigste Hackfrucht ist die Kartoffel. Sie hat in Tirol am Ende des 18. Jahrhunderts Eingang gefunden; nicht von ungefähr war der Vinschgau ihr erstes Anbaugebiet (Leidlmair 1958, S. 156). Von dort aus eroberte sie allmählich die übrigen Landesteile.

Heute ist das Pustertal das Hautpanbaugebiet, weil hier die für die Kartoffel günstigsten klimatischen Bedingungen herrschen. Nach Niederweger (1840/50, fol. 83) befasste man sich im Tauferertal bereits in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mit dem Kartoffelanbau. Nach derselben Quelle war Mühlen der erste Anbauort.“


Südtirol

„Der Anbau von Hülsenfrüchten ist im ganzen Lande verbreitet, jedoch immer nur auf sehr kleinen Flächen zur Deckung des Haushaltsbedarfes beschränkt. Der Bauer schätzt die eiweissreiche Kost (Suppe, Brei), ist aber nicht wählerisch und nimmt mit dem vorlieb, was ihm eben die Natur bietet. In Hochlagen (Achental, Pustertal) gedeihen Ackerbohnen (Vicia faba mit braungelben Samen, ähnlich den 'Halberstädter' und 'Schlanstedter' Bohnen) ausgezeichnet. Die einheimischen Herkünfte sind jedoch früher reif. …

Buschbohnen (gelbe Wachsdattel) werden in der Regel in Mais als Zwischenfrucht gesät und wie die Erbsen reif geerntet. Im Oberinntale baut man Zwergerbsen häufig in Kartoffeläcker. Im Unterinntale werden hochwachsende Sorten (Viktoria) in schmalen Streifen rein gebaut und durch Reiser gestützt. Der Anbau von blauen Lupinen („Kaffeepflanzen“) zur Körnergewinnung und als Kaffeeersatz kommt immer mehr ab.“ (Ludwig Marchal, 1929).


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Literatur:
Irschara, Heinrich, 1971. Bevölkerungs- und Agrargeographie des Tauferer-Ahrntales. Diss. Leopold-Franzens-Universität Innsbruck.
Marchal, Ludwig, 1929. Tirols Pflanzenbau. Wiener landw. Zeit., 79. Jg. Nr. 14. S. 123-128
Niederweger, J.V., 1840. Nachrichten von der Herrschaft Taufers (ungefähr 1840/50). Pfarrarchiv Sand in Taufers.

 

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